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Das Motorola Razr i im Test

Das Motorola Razr i im Test Das Razr i von Motorola (Foto: Motorola)
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Thomas Keup
tk

Schick ist es, das neue Motorola-Flagschiff. Schlank wie ein iPhone, dezent wie ein Razr, schnell wie ein Dualcore. Mit eloxiertem Flugzeug-Alu-Rahmen, gehalten von markant platzierten Torx-Schrauben und bekannt unverwüstlichem Keflar-Rücken … sogar ein wenig edel. Und kompakt ist es: Kürzer ist es und schmaler – daber aber nicht dicker – im iPhone-5-Format ideal für die Hosentasche. Mit brilliantem, hoch auflösendem 4,3-Zoll Super-AMOLED-qHD-Display hinter kratzfestem und beschichtetem Gorilla-Glas. Gratulation: Das neue Motorola Smartphone Razr i ist da. Thomas Keup hat sich in das Phone fast schon so gut wie verliebt.

Mattiertes Alu ist das neue Plastik
Motorola ist beim Design “in den Achtzigern stehen geblieben”, so die Meinung eines Usibility-Professionals hier im Design-verwöhnten Barcelona. Vielleicht ärgert den Apple-Fanboy aber auch nur Motorolas Weg – fernab asiatischen Einheitsbreis. Wie beim neuen iPhone 5 reicht der Daumen von unten links bis oben rechts auf dem nahezu randlosen Display (“Edge-to-Edge”-Prinzip). Wie es laut Apple-Werbung halt der Verstand empfiehlt. So gut wie alle anderen Android-Phones laufen mit rundgelutschtem Asia-Schick und im Format einer Kellnerbrieftasche durch die Stadt. Aber wer will das schon? Schließlich geht es bei vergleichbarer Technik zunehmend um das gute Gefühl in der Hand. Liebe Samsung-Fans: Mattiertes Alu ist das neue Plastik…

Ladekabel müssen jetzt tapfer sein
Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Wer das noble Prada by LG und das kantige Razr mag, wird “das neue “Hipster-Gadget” lieben. Mit Intel-Logo auf dem Rücken lässt sich sogar ein wenig prahlen: Der speziell entwickelte x86-Mobile-Prozessor mit Atom-Singlecore-Chip und virtueller Dualcore-Funktion “Hyper-Threading”, eine bis zu 2 GHz-schnelle Taktung und ein 1 GHz-großer Arbeitsspeicher sollen trotz Power für bis zu 2 Wochen Standby und 20 Stunden Dauerbetrieb ohne Steckdose sorgen. Der fest verbaute 2.000 mAh Akku, die flexible 600 – 1.400 MHz-Taktung im Normalbetrieb und ein stromsparender Stand-by-Modus helfen da kräftig mit. 1 Tag GSM- und UMTS-Betrieb ohne Steckdose sind schon mal der richtige Weg – am Besten in Richtung 2. Mögen Apple und Samsung weiter teure Ladekabel für ihre ARM-Phones verkaufen.

Man sagt, es sei ein Rennpferd …
Viel interessanter, als die liebe Konkurrenz über schnöde Batterielaufzeit auf die Plätze zu verweisen, ist die Grafik-Leistung des Razr i. Mit eigenem, nicht gesharten 400 MHz-Prozessor beweist Intel, wie schnell man Fotos schießen kann, wie schnell man Fotos swypen kann und wie schnell sich Google Maps und Navigation aufbauen. Wie gesagt, wie schnell. Da ist die Serienfunktion für bis zu 10 aufeinander geschossene Fotos am Stück nur der Punkt auf dem “i”. Wie gesagt: schnell. Ein Blick auf die Testberichte der geschätzten Kollegen erklärt den Eindruck: Laut AnTuTu-CPU-Benchmark läuft das Razr im oberen Feld erfolgreich gegen Dualcore-Smarphones ins Ziel. Lediglich die Vierkern-Kraftprotze aus Seoul können die Grafikleistung toppen. Wie gut, dass man dank eigener Kamera-Taste am Gerät auch noch Fotos in spätestens 2 Sekunden machen kann. Ich erwähnte schon das Wort “schnell”, oder?

Was Moto nicht lernt, lernt Motorola …
Bei der Software lässt sich Motorola wieder einmal lumpen: Ein 400,- Euro-Flagschiff mit Android 4.0 (“Ice Cream Sandwich”) auszuliefern, ist schon etwas schäbig, Zumal, wenn die eigene Mutter den Source-Code schreibt und aktuell bei Version 4.2 angekommen ist. Da hilft auch keine Ausrede, eine für Intel angepasste Version zu benötigen. Hier muss sich Googles Tochter ein hämisches Grinsen aus Fernost gefallen lassen. Samsung und HTC lassen grüßen. Und auch der fest platzierte Suchschlitz ist nicht die feine Android-Art. Zum Glück lässt der sich deaktivieren. Wie versprochen hält sich Motorola mit Blur und anderen kindischen Desktop-Spielereien diesesmal freundlicherweise zurück. Mit derartigem Kram hat sich schon Siemens Mobile die Rolltreppe abwärts in die Hände von BenQ und dann ins Grab befördert.

Das Motorola Razr i mit Intel CPU (Foto: Motorola)

Die Stunde der Wahrheit für ARM-Apps
Unser Test der integrierten Simulations-Umgebung für ARM-optimierte Android-Apps auf Intel-Phones war für das Razr i erfolgreich: Der Qualitätsmanager der deutsch-spanischen Phone-App yuilop – www.yuilkop.com/de – hatte mit der neuesten Version seiner Android-App keine Beanstandungen (Danke, Albert!). Laut Kollegen-Berichten laufen aber noch nicht alle Andorid-Apps auf der Emulations-Schicht des Intel-Phone richtig rund. Die mitgelieferte Standard-Auswahl inkl. Google-Apps (und endlich ohne Bild-App!) dürfte fürs Erste reichen. Mit dem neuen Chrome-Browser gabs im Gegensatz zu Kollegen-Berichten allerdings keine Probleme. Wenn man nicht wüsste, dass “Intel inside” ist, man könnte es glatt vergessen.

Joe Cocker: Klang oder lieber Plastik?
Bei den inneren Werten hat das Razr i einige – z. T. bekannte – Stärken im Gepäck: Das WLAN-Modul verbindet sich schnell und ist gefühlt stabiler als beim Vorgänger ohne “i”. Der verbaute Lautsprecher bringt wie frühere Moto-Droiden richtig Bumms mit. Kein Wunder: Bei Keflar und Aluminium muss man schon zaubern, damit etwas zu hören ist. Das verglichene Joe Cocker-Video klang auf dem Galaxy Nexus dagegen wie “Samsung aus der Kiste”. Der Razr-User merkt das spätestens mit der Freisprech-Funktion bei Autofahren. Apropos Autofahren: Der Audio-Anschluss unterstreicht die Leistung der Motorola-Ingenieure: Ein audiophiler Freund testete in Hannover den Audio-Ausgang mit Sennheiser-In-Ear-Kopfhörern aus der 100-Euro-Klasse. Ergebnis: Der Klang des Razr i war “viel dynamischer, ausgeglichener, wärmer.” Vergleichsobjekt: Das bisherige Google-Flaggschiff aus Seoul.

Das moobilux-Testurteil: Das Razr i begeistert bei Optik, Formfaktor, Haptik, bei Display, Klang, Geschwindigkeit und Batterielaufzeit. Der unverbindliche Listenpreis von 399,- Euro und die konzerneigene Konkurrenz des Google Nexus 4 mit 299,- Euro Einstiegspreis lassen einen baldigen Schnäppchen-Preis von 300,- Euro und weniger erwarten. Damit gehört das Razr i beim Preis-Leistungs-Verhältnis zu den interessantesten Kandidaten von Weihnachten 2012 bis zum nächsten Mobile World Congress im kommenden Februar in Barcelona.

Für Nutzer im beruflichen Einsatz erinnert der erste Dauerläufer aus dem Android-Lager bei Größe und Material an die einst beliebte Nokia E-Serie. Fashion-Viktims finden im Razr i eine ebenbürtig hochwertige, angenehm unaufgeregte und dabei markant männliche Konkurrenz zum eher verspielt-femininen iPhone 5. Ob man sich auf ein Intel-Smartphone einlassen will oder mit ARM-Dual- und Quadcore-Prozessoren auf Nr. sicher geht, muss jeder für sich entscheiden.

moobilux-Kauftipp: Anschauen, ausprobieren, abwägen. Das Razr i ist eine interessante Alternative. Wir vergeben 4,5 von 5,0 Sternen. (Der Abzug ist Strafe für die Update-Politik.)

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